Schimmelpilze – unerwünschte Mitbewohner

//Schimmelpilze – unerwünschte Mitbewohner

Schimmelpilze – unerwünschte Mitbewohner

Schon im Alten Testament (Levitikus 14,33-45) wurden Schimmelpilze erwähnt und Anleitungen zur Sanierung gegeben, welche unter Umständen auch zum Abriss ganzer Häuser führte. Heutzutage versteht man bauphysikalische Zusammenhänge besser und kann Schadensfälle meist einfach lösen. Schimmelpilze haben gesundheitliche Wirkungen und dürfen aus hygienischer Sicht in Innenräumen nicht geduldet werden. Das Problem der Schimmelschäden nimmt durch die moderne, luftdichte Bauweise, den daraus resultierenden niedrigen Luftwechselzahlen, Konstruktions- und Ausführungsfehlern, sowie dem immer schnelleren und nasseren Bauen ständig zu. Im Bestandsbau gibt es aufgrund ungenügender Wärmeisolation an den Außenwänden immer wieder Kondensationsprobleme durch Wärmebrücken. Meist nachdem neue, gut isolierende Fenster eingebaut wurden, da sich Taupunkte verschieben. Nach Statistik ist Schimmelbefall, nach Fenstertausch, der häufigste Bauschaden im Bestandsbau überhaupt. Schimmelpilzen wird durch die Feuchtanreicherung die Grundlage zum Wachstum geboten und können dadurch intensiv Stoffwechsel und Sporenproduktion betreiben. Dies kann dazu führen, dass man in Innenräumen viel mehr und deutlich kritischere Schimmelpilze findet als in der Außenluft.

 

Schimmelalarm: Galileo Bericht zu Schimmelpilzen im Haushalt

Galileo Bericht zu Schimmelpilzen im Haushalt - Video

 

Was sind eigentlich Schimmelpilze?

Schimmelpilze sind Mikroorganismen des „täglichen Lebens“. Man findet sie in der Natur im Erdboden oder auf abgestorbenen Pflanzen und auch unliebsamerweise in Häusern und Wohnungen oder auf Lebensmitteln. Es gibt über 100.000 verschiedene Schimmelpilzarten von denen nur einige hundert bis tausend als relevant für Innenräume angesehen werden. Schimmelpilze sind keine Pflanzen, sondern stellen ein eigenes Organismenreich dar. Ein großer Unterschied zu Pflanzen ist, dass sie ihre Energie nicht durch Photosynthese, sondern durch den Abbau toter organischer Materie gewinnen. Die Folgeprodukte dienen wiederum Pflanzen als Nährstoffe für die Photosynthese. Pilze haben somit eine sehr wichtige Funktion im natürlichen Stoffkreislauf. In unseren Breitengraden kommen hauptsächlich „Deuteromyceten“ bzw. „Fungi imperfecti“ in Innenräumen vor. Wie der Name schon sagt sind diese Pilze nicht vollkommen, da sie sich asexuell vermehren und Unmengen von Sporen produzieren, welche sie in die Raumluft abgeben können.

Ursachen für Schimmelbefall

Hauptursache für Schimmelwachstum in Innenräumen ist ein Übermaß an Feuchtigkeit bzw. Wasser. Man kann grob zwei Arten von Feuchteeintrag unterscheiden: entweder es kommt zum Eintrag von flüssigem Wasser in die Baumasse oder der in der Raumluft enthaltene Anteil des Wassers, führt zu erhöhter Feuchtigkeit an der Oberfläche von Bauteilen, welches das typische Kondensationsproblem durch Wärmebrücken darstellt. Es sollte jedoch beachtet werden, dass zum Schimmelwachstum keine direkte Kondensation von Wasser notwendig ist. Der Taupunkt mit der Wasseraktivität von 1 (100 % Luftfeuchte an der direkten Bauteiloberfläche, d.h. flüssiges Wasser) ist in diesem Zusammenhang nicht von Interesse. Die ersten Schimmelpilze beginnen bereits bei einer Wasseraktivität von 0,7 (70 % Luftfeuchte an der Bauteiloberfläche) zu gedeihen.

Biologische Wirkung

Schimmelpilze gehören zu den häufigsten und bedeutendsten Allergenen und Innenraumschadstoffen. Schimmelpilze können bei chronischer Einwirkungsdauer viele Befindlichkeitsstörungen und Krankheiten wie Atemwegsprobleme, Migräne, Hautirritationen, Magen- Darmbeschwerden, Nervenleiden, Immunsuppressionen und schwere Erkrankungen verursachen. Auch konnte ein Zusammenhang von Schimmelpilzen und Parkinsonerkrankungen nachgewiesen werden (>> weiterlesen). Es kann durchaus sein, dass Bewohner eines Hauses jahrelang mit einem Schimmelbefall leben ohne, dass dieser sichtbar in Erscheinung tritt. Versteckte Schimmelbefälle können nur durch eine sorgfältige Gebäude-Anamnese erfasst werden. Häufige findet man Schimmelbefälle auch in  Bettmaterialien durch zu kalte Schlafzimmer und falsches Nutzungsverhalten oder zu alte Bettmaterialien. Bei Untersuchungen konnten auch schon öfters Schimmelbefälle in neuen Bettmaterialien nachgewiesen werden, welche innerhalb weniger Monate durch ein falsches Nutzerverhalten einen starken Befall entwickelten.

Sanierung

Wenn Schimmelpilze bereits sichtbar wachsen, dann ist dies meist nur die Spitze des Eisberges und der Befall kann schon Unmengen von Sporen produziert und Baumaterialien unter Umständen weitreichend kontaminiert und befallen haben. In diesem Fall muss der Schaden fachmännisch bekämpft werden. Grundlage jeder Schimmelsanierung ist die eindeutige Erfassung der Ursachen und der Quellen des Befalls, welche bei einer sachverständigen Begutachtung inkl. mikrobiologischer Probenahme mit begleitender Feuchte- und Temperaturmessung erfasst wird.

Ein Schimmelpilzbefall in Innenräumen muss immer vollständig beseitigt werden. Das alleinige Abtöten der Schimmelpilze reicht nicht aus, da auch von den abgetöteten Schimmelpilzen allergische und reizende Wirkungen ausgehen. Ziel einer jeden Sanierung muss es sein die gesamte Biomasse der Schimmelpilze, in der Luft und an Oberflächen, zu entfernen. Wird dies bei Sanierungen nicht berücksichtigt und keine Feinreinigungen durchgeführt so können die Bewohner des Hauses Jahrzehnte mit den Pilzsporen, Pilzleichen und Bruchstücken in sehr unhygienischen und gesundheitsbeeinträchtigenden Umständen leben. Sanierungen von Schimmelschäden haben immer nach den Anleitungen zur Schimmelsanierung des Lebensministeriums zu erfolgen.

Immer wieder werden so genannte Kaltvernebelungen zur Sanierung bei Schimmelpilzschäden angeboten, mit der Aussage, dass diese alle Schimmelpilze abtöten. Diese Maßnahmen sind nicht zielführend, da die Schimmelpilze zwar abgetötet werden, jedoch als abgestorbene Biomasse in den Räumen verbleiben und die Bewohner in Folge beeinträchtigen können. Nach Positionspapier zu Schimmelpilzen in Innenräumen des Österreichischen Lebensministeriums sollten diese Maßnahmen nicht durchgeführt werden.

Schimmelschäden, auch kleine und verhältnismäßig unscheinbare, werden nach wie vor viel zu oberflächliche behandelt. Das Lebensministerium empfiehlt bereits ab einem Befall von 0,5m² einen Umweltmediziner hinzuzuziehen, da hierbei bereits Beeinflussungen für den menschlichen Organismus möglich sind. Viele heutzutage üblichen Allergien und Befindlichkeitsstörungen können auf Schimmelpilze in Innenräumen zurückzuführen sein ohne, dass man von ihrer Existenz etwas merkt.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.