Wendepunkt bei biologischen Wirkungen von Mobilfunkstrahlung
In der Diskussion um Mobilfunk wird gestritten, ob die Strahlung unserer Handys wirklich harmlos ist, solange sie den Körper nicht spürbar erwärmt. Ein aktueller Bericht von diagnose:funk zeigt nun, dass die Wissenschaft hier an einem entscheidenden Wendepunkt steht. Neue Untersuchungen liefern nämlich erstmals klare Erklärungen dafür, wie Strahlung in unsere Körperzellen eingreift, ohne dabei Hitze zu erzeugen.
Bisher stützte sich die Sicherheit vor allem auf den Schutz vor thermischen Wirkungen, also der reinen Erwärmung von Gewebe, wie man es grob von einer Mikrowelle kennt. Doch die neuen Studien beschreiben sogenannte „nicht-thermische Wirkungen“, die weit unterhalb dieser Wärmeschwelle ansetzen. Dabei reagieren winzige „spannungsgesteuerte Kalziumkanäle“ in unseren Zellen auf die elektrischen Felder der Strahlung. Man kann sich diese Kanäle wie Schleusen vorstellen, die bei falscher Ansteuerung den Stoffwechsel stören und sogar die „Genexpression“ – also das Abrufen von Erbinformationen – beeinflussen können.
Ein entscheidender Punkt in der Forschung ist die Art des Signals: Unsere Handys senden Daten nicht in einem gleichmäßigen Strom, sondern in schnellen, abgehackten Takten, was man als „Pulsung“ bezeichnet. Die Studien belegen, dass gerade diese unregelmäßigen Signale aus dem Alltag biologisch viel wirksamer sind als die gleichmäßigen Testsignale, die oft in Laboren verwendet werden. Es macht für unseren Körper also einen großen Unterschied, ob wir ein echtes Smartphone nutzen oder nur ein künstlich erzeugtes Funksignal untersuchen.
Besonders empfindlich scheinen Organe zu reagieren, die biologisch sehr aktiv sind, wie zum Beispiel unser Gehirn oder die Fortpflanzungsorgane. Die Forscher beobachteten bei starker Belastung Veränderungen in den Nervennetzwerken, die für das Gedächtnis zuständig sind, sowie Auswirkungen auf die Qualität von Spermien. Hierbei spielt oft „oxidativer Stress“ eine Rolle – ein Zustand, bei dem zu viele aggressive Sauerstoffverbindungen in der Zelle entstehen, was die Zellteilung behindern oder sogar zum Zelltod führen kann.
Angesichts dieser Entdeckungen fordern Experten eine unabhängige Neubewertung der aktuellen Grenzwerte, da diese den modernen Forschungsstand nicht mehr ausreichend widerspiegeln. Da die bisherigen Regeln vor allem die Hitzeentwicklung im Blick haben, bleiben die nun entschlüsselten biologischen Mechanismen oft unberücksichtigt. Ein bewusster und verantwortungsvoller Umgang mit Smartphone und WLAN im Alltag wird daher von Umweltschutzorganisationen als wichtige Vorsorgemaßnahme empfohlen.
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