Belastung mit Chemikalien in der Schwangerschaft – eine unterschätzte Gefahr für die Gesundheit von Kindern

Eine neue Studie des ATHLETE-Projekts liefert deutliche Erkenntnisse über die Auswirkungen endokriner Disruptoren (EDCs) während der Schwangerschaft auf die Gesundheit von Kindern. Diese Forschung, die vom Barcelona Institute for Global Health (ISGlobal) geleitet und auf JAMA Network veröffentlicht wurde, legt nahe, dass die pränatale Exposition gegenüber einem Mix dieser Chemikalien das Risiko für das Metabolische Syndrom im Kindesalter deutlich erhöhen kann. Dies könnte wiederum langfristig zu einem erhöhten Risiko für das Metabolische Syndrom im Erwachsenenalter beitragen.

Das Metabolische Syndrom (MetS) ist eine Ansammlung von Risikofaktoren wie Bauchfettleibigkeit, Bluthochdruck und Insulinresistenz, die zusammen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes erhöhen. EDCs sind synthetische Chemikalien, die unsere Hormonsysteme stören können und aufgrund ihrer Allgegenwart in unserer Umwelt schwer zu vermeiden sind. Die Studie, die 1.134 Mutter-Kind-Paare aus sechs europäischen Ländern umfasste, analysierte die pränatale Exposition gegenüber 45 verschiedenen endokrinen Disruptoren. Die statistische Analyse zeigte, dass Mischungen aus Metallen, per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS), organochlorierten Pestiziden und Flammschutzmitteln (PBDEs) mit einem erhöhten Risiko für das Metabolische Syndrom verbunden waren. Der Haupteinfluss bei den Metallen ging von Quecksilber aus, dessen Hauptquelle der Verzehr großer Fische ist. PFAS-Chemikalien, oft als „ewige Chemikalien“ bezeichnet, finden sich in vielen Alltagsprodukten wie Antihaftpfannen und Fast-Food-Verpackungen. Obwohl organochlorierte Pestizide in Europa bereits in den 1970er Jahren verboten wurden, bleiben sie aufgrund ihrer Beständigkeit in der Umwelt weit verbreitet.

Die Ergebnisse der Studie zeigten auch geschlechtsspezifische Unterschiede in der Anfälligkeit: Mädchen waren anfälliger für Mischungen aus PFAS und polychlorierten Biphenylen (PCBs), während Buben empfindlicher auf Parabene reagierten. Diese Unterschiede sind erwartbar, da endokrine Disruptoren mit Geschlechtssteroidhormonen interagieren. Zudem identifizierte die Studie molekulare Signaturen im Kindesalter – darunter erhöhte entzündungsfördernde Proteine, Aminosäuren und veränderte Glycerophospholipid-Spiegel – die sowohl mit der pränatalen EDC-Exposition als auch mit einem erhöhten MetS-Score assoziiert waren.

Diese Ergebnisse unterstreichen die dringende Notwendigkeit, Kinder besser vor chemischer Umweltverschmutzung zu schützen, da Umweltgefahren während der Entwicklung ein höheres Risiko darstellen und Kinder aus einkommensschwachen Familien besonders anfällig sind. Die Befunde haben erhebliche Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit, da sie darauf hindeuten, dass die Exposition gegenüber weit verbreiteten EDC-Mischungen während der Schwangerschaft zum anhaltenden Anstieg der Prävalenz des Metabolischen Syndroms im Laufe des Lebens beitragen könnte.

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Veröffentlicht am: Juni 3, 2025|Kategorien: Schadstoffe|Schlagwörter: , , , , |2,9 Min. Lesezeit|

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