Europäische Forscher fordern besseren Schutz vor Chemikalien-Mischungen
Mehr als 250 europäische Forscherinnen und Forscher haben sich in einem offenen Brief an die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedstaaten gewandt, um die Einführung eines Mischungsbewertungsfaktors (MAF) im Rahmen der bevorstehenden Überarbeitung der REACH-Verordnung zu fordern. Dieser dringende Appell zielt darauf ab, Mensch und Umwelt besser vor den realen Risiken kombinierter Chemikalienexpositionen zu schützen.
Aktuelle EU-Chemikalienvorschriften bewerten Substanzen größtenteils isoliert, obwohl jahrzehntelange wissenschaftliche Belege zeigen, dass Mischungen von Chemikalien – selbst bei individuell als sicher geltenden Mengen – schädliche kumulative Wirkungen haben können. Studien haben beispielsweise gezeigt, dass Chemikalien im Blut schwangerer Frauen neurotoxische Mischungseffekte verursachen können, selbst wenn jede einzelne Chemikalie als „sicher“ eingestuft wurde. Es gibt auch Hinweise auf sinkende männliche Spermienqualität, IQ-Verluste bei europäischen Bürgern und verzögerte Sprachentwicklung durch Exposition gegenüber solchen Mischungen. Diese weitreichende wissenschaftliche Übereinstimmung unterstreicht die Dringlichkeit, dass die Regulierung die realen Risikoverhältnisse widerspiegeln muss.
Der vorgeschlagene MAF würde diese Lücke schließen, indem er einen vorsorglichen, wissenschaftlich fundierten Faktor in die Risikobewertungen von Chemikalien einführt. Dies wäre ein pragmatischer und umsetzbarer Schritt, der den Regulierungsaufwand für Industrie und Behörden nicht unangemessen erhöhen würde. Die Notwendigkeit dieses Faktors wird auch vom Europäischen Parlament sowie von mehreren Regierungen und Beiräten in Europa explizit unterstützt. Die Unterzeichner des Briefes betonen, dass die Wissenschaft eindeutig ist und es an der Zeit ist, dass die Politik handelt.
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