Infraschall: Die unsichtbaren Wellen und ihre Wirkung auf unseren Körper

Bei Infraschall handelt es sich dabei um sehr tiefe Töne mit einer Frequenz unter 20 Hertz, die wir Menschen meist nicht bewusst hören, die unser Körper aber dennoch als Vibration wahrnehmen kann. In einer aktuellen wissenschaftlichen Übersichtsarbeit wird detailliert untersucht, wie diese Wellen auf unsere Zellen und Organe wirken.

Solche tiefen Töne entstehen überall um uns herum: in der Natur durch Wind und Wellen, aber auch durch Technik wie Windkraftanlagen oder große Motoren. Da Infraschallwellen sehr lang sind, dringen sie fast ungehindert tief in unseren Körper und unser Gewebe ein. Hier spielt die sogenannte Mechanotransduktion eine entscheidende Rolle: Dies ist ein Begriff für die Fähigkeit unserer Zellen, physikalische Reize – wie den Druck einer Schallwelle – in biologische Signale umzuwandeln. Unser Körper „versteht“ den Schall also als mechanische Botschaft, auch wenn unser Gehör ihn gar nicht als Geräusch registriert.

Die Forschung zeigt, dass winzige Kanäle in unseren Zellwänden, wie etwa PIEZO1 oder TRPV4, auf diesen physikalischen Druck reagieren. Man kann sich diese Kanäle wie mikroskopisch kleine Schleusen vorstellen, die sich bei mechanischer Belastung öffnen und Stoffe wie Kalzium in die Zelle strömen lassen. Das ist ein ganz normaler Vorgang, doch bei einer zu starken oder dauerhaften Beschallung kann dieses System aus dem Gleichgewicht geraten.

Besonders bei sehr intensiver Belastung, wie sie oft in Tierstudien untersucht wird, kann Infraschall zu oxidativem Stress führen. Das bedeutet, dass in den Zellen aggressive Sauerstoffverbindungen entstehen, die Strukturen wie das Erbgut oder die Mitochondrien – die Kraftwerke unserer Zellen – schädigen können. Solche Reaktionen wurden in Studien etwa im Herzgewebe oder im Gehirn beobachtet, wobei die Intensität dort meist weit über dem liegt, was wir im Alltag erleben.

Ein interessantes Phänomen ist zudem der sogenannte Nocebo-Effekt. Das bedeutet, dass allein die Erwartung, dass Infraschall schädlich sein könnte, bei Menschen echte Symptome wie Kopfschmerzen oder Schlafstörungen auslösen kann. Die Psyche und die individuelle Einstellung zu Schallquellen wie Windrädern oder Motoren spielen also eine große Rolle dabei, wie wir die Einflüsse aus unserer Umwelt wahrnehmen und gesundheitlich verarbeiten.

Doch Infraschall hat nicht nur Schattenseiten, sondern bietet auch Chancen für die Medizin. In ganz gezielten, schwachen Dosen wird er bereits erforscht, um beispielsweise die Heilung von Knochenbrüchen zu beschleunigen oder Medikamente effektiver in Tumorgewebe zu schleusen.

Für die Zukunft fordern Wissenschaftler jedoch bessere Messmethoden, da herkömmliche Geräte die tiefen Frequenzen oft gar nicht richtig erfassen. Wir brauchen genauere Daten über die Langzeitwirkung von Infraschall im Alltag, um Schutzmaßnahmen sinnvoll zu gestalten und gleichzeitig die therapeutischen Potenziale dieser unsichtbaren Kraft sicher nutzen zu können.

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Veröffentlicht am: April 1, 2026|Kategorien: Allgemein|Schlagwörter: , , , |3,3 Min. Lesezeit|

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