Spielzeugrichtlinie: Rat weicht Vorschlag des EU-Parlaments auf

Im März hatte das Europäische Parlament für eine Überarbeitung der Spielzeugrichtlinie gestimmt und das Verbot von schädlichen Chemikalien (z.B. endokrine Disruptoren und PFAS) in Spielzeugen gefordert. Leider wurde dieser Vorschlag vom Rat der EU in wesentlichen Punkten geändert.

Besorgniserregend ist vor allem, dass der Vorschlag des Rates der EU das Verbot von PFAS und Bisphenolen nicht unterstützt. Wir haben die Hintergrund-Informationen dazu aus einem Beitrag von Social Europe übersetzt:

„Chemikalien für die Ewigkeit 

PFAS werden als „ewige Chemikalien“ bezeichnet, da sie mehr als 1.000 Jahre (wenn überhaupt) brauchen, um sich zu zersetzen. Es handelt sich um eine Gruppe von über 10.000 Chemikalien, die in industriellen Prozessen sowie wegen ihrer schmutzabweisenden und wasserfesten Eigenschaften eingesetzt werden. Sie können die Entwicklung von Kindern beeinträchtigen und sind nachweislich für die Gesundheit aller Menschen gefährlich. Wissenschaftliche Erkenntnisse bringen die Exposition gegenüber PFAS mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen in Verbindung, beispielsweise verschiedenen Krebsarten, Schilddrüsenerkrankungen, Immunschwächen und Hormonstörungen. 

Es ist bekannt, dass PFAS die Plazenta passieren und beim Stillen aufgenommen werden. Bei Kindern ist die Exposition mit Immunschäden, schlechteren Herz-Kreislauf- und Stoffwechselfunktionen, Autoimmunerkrankungen, Krebserkrankungen im Kindesalter (wie Leukämie), verminderter Impfreaktion, Autismus und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung verbunden.“ 

„Ernsthafte Bedenken 

Bisphenol A (BPA) und andere Bisphenole in Verbraucherprodukten, einschließlich Spielzeug, geben seit Jahren Anlass zu ernster Besorgnis. BPA ist aufgrund seiner Eigenschaften – fortpflanzungsgefährdend und endokriner Disruptor – gemäß REACH als SVHC aufgeführt. BPA kann zu Brustkrebs, neurologischen Verhaltensstörungen und Diabetes beitragen. 

Die EU hat einen Grenzwert (0,04 Milligramm pro Liter) für die zulässige BPA-Menge aus Spielzeugen für Kinder bis drei Jahre und aus Spielzeugen, die dazu bestimmt sind, in den Mund von Kindern zu stecken, festgelegt. Aufgrund von Belegen, dass BPA das Immunsystem beeinträchtigt, hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit den Grenzwert für BPA, das durch Migration aus Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, als unbedenklich gilt, kürzlich jedoch deutlich gesenkt – auf 0,2 Nanogramm pro Kilogramm pro Tag, also mehr als 20.000 Mal weniger als der bisherige Grenzwert. Daraus sollten ohne weitere Verzögerung Schlussfolgerungen gezogen werden, um die Gesundheit von Kindern vor jeglicher Belastung durch BPA und andere Bisphenole in Spielzeugen zu schützen. 

Als letzten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, plant der Rat eine 60-monatige Übergangsfrist, bevor die überarbeitete Gesetzgebung von den Mitgliedsstaaten umgesetzt wird. Es ist inakzeptabel, Kinder und ihre Familien und Betreuer mindestens fünf Jahre lang zusätzlich gefährlichen Belastungen auszusetzen.“

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Veröffentlicht am: Juli 2, 2024|Kategorien: Schadstoffe|Schlagwörter: , , , |3,1 Min. Lesezeit|

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