WHO-Studie beleuchtet Krebsrisiko bei Tieren, die Mobilfunkstrahlung ausgesetzt sind
Ein kürzlich im Fachmagazin Environment International veröffentlichter und von Microwave News besprochener systematischer Review, der im Auftrag des WHO EMF-Büros durchgeführt wurde, hat die Auswirkungen der Exposition gegenüber Mobilfunkstrahlung auf Krebserkrankungen bei Versuchstieren untersucht. Die Studie, die mehr als zehn Jahre nach einer früheren IARC-Monographie zu diesem Thema erscheint, sollte systematisch die verfügbaren Tierstudien auswerten, um neue Erkenntnisse zu gewinnen.
Der Review umfasste 52 Studien, darunter 20 chronische Bioassays, und kam zu dem Schluss, dass es Hinweise darauf gibt, dass die Exposition gegenüber Mobilfunkstrahlung das Auftreten von Krebserkrankungen bei Versuchstieren erhöht. Die Autoren bewerteten die Evidenzsicherheit (Certainty of Evidence – CoE) für verschiedene Krebsarten. Besonders hoch wurde die Evidenz für bösartige Herzschwannome und Gliome (Hirntumore) beurteilt. Moderates Vertrauen in die Evidenz gab es unter anderem für Lymphome, Phäochromozytome der Nebenniere und HepatoBlastome der Leber. Für die meisten anderen Organsysteme fanden die Forscher jedoch keine oder nur minimale Hinweise auf Mobilfunk-bedingte Krebsergebnisse. Diese Ergebnisse stehen im Gegensatz zur früheren IARC-Einschätzung, die nur begrenzte Evidenz bei Tieren sah, sowie zu den Ansichten der ICNIRP und der meisten nationalen Gesundheitsbehörden.
Die Forscher stellten fest, dass eine Meta-Analyse aufgrund der großen Heterogenität der Studiendesigns, Tierarten, Belastungscharakteristika und Krebsergebnisse nicht angemessen war. Sie nutzten stattdessen einen narrativen Ansatz und bewerteten die Evidenzsicherheit nach dem GRADE/OHAT-Ansatz. Die Übertragung der Ergebnisse von Krebstierbioassays auf den Menschen im Kontext von Mobilfunkstrahlung ist besonders komplex. Dies liegt daran, dass der Mechanismus der Karzinogenität von Mobilfunkstrahlung nicht vollständig verstanden ist und wichtige Fragen zur Wahl der Dosis-Metrik (z.B. Ganzkörper versus lokale Exposition), der Intensität oder kumulativen Exposition sowie zur Dosis-Wirkungs-Beziehung offen sind.
Diese neue Bewertung könnte die langjährige Debatte über das Krebsrisiko im Zusammenhang mit Mobiltelefonen und anderen Mobilfunk-Geräten wieder aufleben lassen, die viele für beigelegt hielten.
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