Schlafstörungen und Elektrosmog – Der Traum vom gesunden Schlaf

Laut einer Analyse des deutschen Krankenversicherungs-Trägers Barmer stieg die Zahl der Menschen mit Schlafstörungen von 5 % im Jahr 2012 auf 7 % im Jahr 2022. Das entspricht rund sechs Millionen Fällen im Jahr 2022 und damit einer Steigerungsrate von 36 Prozent. Auch die repräsentative Studie der DAK zeigte schon 2017, das 80 % der Erwerbstätigen schlecht schlafen. Seit 2010 haben Schlafstörungen in der Erwerbsbevölkerung im Alter von 35 bis 65 Jahren um 66 % zugenommen. Das zeigt der aktuelle DAK-Gesundheitsreport „Schlechte Schlafqualität in Deutschland – ein unterschätztes Problem“. Einer repräsentativen Studie zufolge fühlen sich derzeit 80 % der Arbeitnehmer beeinträchtigt. Hochgerechnet auf die Einwohnerzahl sind es etwa 34 Millionen Menschen. Jeder zehnte Arbeitnehmer leidet unter einer besonders schweren Schlafstörung, der Schlaflosigkeit. Das ist ein Anstieg von 60 % seit 2010. Insgesamt sucht nur eine Minderheit der Betroffenen eine Behandlung auf. Nur wenige meldeten ihren Arbeitgebern eine Erkrankung. Was das für Unternehmen bedeutet: Fast die Hälfte der Mitarbeiter leidet unter Müdigkeit am Arbeitsplatz (43 %). Etwa ein Drittel (31 %) der Menschen fühlen sich regelmäßig erschöpft. Im Vergleich zu 2010 nehmen heute fast doppelt so viele Büroangestellte Schlaftabletten ein.

Schlafstörungen können das Risiko für eine Vielzahl von Krankheiten wie z.B. Übergewicht, Schlaganfall, Demenz oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Auslöser kann Stress jeder Art sein, aber auch die Zeitumstellung kann sich temporär auswirken. Andauernde Schlaflosigkeit sollte aber auf jeden Fall von einem Arzt abgeklärt werden. (BARMER, 2023)

Umweltfaktoren für Schlafprobleme

Der Mensch ist heutzutage nahezu permanent von künstlich erzeugten elektro­magnetischen Feldern (EMF) umgeben, die sich der Wahrnehmung weitestgehend oder sogar vollständig entziehen. Kabel, Geräte, Mobiltelefone, Sendemasten etc. werden visuell wahrgenommen, nicht jedoch deren unsichtbare Emissionen. Zumeist ist das Thema elektromagnetischer Immissionen auch völlig unbekannt und Endgeräte sowie Technologien werden bedenkenlos genutzt.

Der moderne Mensch hält sich bis zu 90 % seiner Zeit in Innenräumen auf und ist dabei aufgrund der Gebäudetechnik und aufgrund gebäude­interner und gebäudeexterner Funkanwendungen einer Vielzahl von EMF ausgesetzt. EMF-Belastungen finden sich zumeist auch an wichtigen Umgebungen wie Schlafbereichen, an denen sich der Mensch rund 2.000 Stunden pro Jahr aufhält. Ursachen dafür sind Elektroinstallationen in den Wänden, die im Schlafbereich in Körpernähe verlaufen, periphere Geräte wie Nachtischlampen, Ladegeräte und Radiowecker sowie Funkemissionen von außen (Mobilfunk­masten) oder WLAN-fähige Endgeräte und Mobiltelefone im Innenbereich.

Da vor allem die Schlafphase des Menschen essenziell für die Erholung und Regeneration ist und zudem wichtige hormonelle Vorgänge nur in der Nachtphase ablaufen, sollte dieser wichtige Bereich des menschlichen Lebens nicht durch elektromagnetische Immissionen gestört werden. Es häufen sich Untersuchungen zu Beeinflussungen des Menschen durch EMF bei längerfristigen Expositionen auch weit unter den Grenzwerten. Der Mensch hat sich im Lauf der Jahrmillionen in einem Milieu entwickelt, das durch das natürliche elektromagnetische Spektrum geprägt wurde. Dieses Spektrum wird in Innenräumen heutzutage durch die gebäude­technischen und nutzer­bedingten technischen elektro­magnetischen Felder nahezu vollständig verändert.

Stand des Wissens

Viele kabelgebundene und drahtlose Technologien haben das moderne Leben revolutioniert. Sie wurden entwickelt, um benutzerfreundlich zu sein und den Energie­verbrauch zu minimieren. Biologische Wirkungen auf den Menschen wurden dabei nicht oder zu wenig berücksichtigt, aktuelle Studienergebnisse weisen jedoch auf Gesundheitsrisiken dieser Technologien hin: Der Mensch ist ein bio­elektrischer Organismus, sowohl Herz als auch Gehirn werden durch bioelektrische Signale gesteuert, und elektromagnetische Felder können grundlegende biologische Abläufe stören. Dies bestätigen internationale Forschungsarbeiten der letzten Jahrzehnte. Sie zeigen, dass elektro­magnetische Felder biologisch aktiv sind und Folgen für Gesundheit und Umwelt möglich sind. Es gibt ausreichend Befunde bezüglich der Exposition gegenüber niederfrequenten Feldern, um gesetzliche Maßnahmen rechtzufertigen, sowie ausreichend Befunde, um Vorsorgemaßnahmen für hochfrequente Strahlung einzuführen. (BioInitiative Working Group, 2012, S. 3, 19 f) Auch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Deutschland weist aufgrund wissenschaftlicher Unsicherheiten darauf hin, Grenzwerte mit Vorsorgemaßnahmen wie Reduktion der Exposition, Information und Aufklärung sowie weiterer Forschung zu ergänzen (BfS, 2021). Das Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU, 2021) gibt in der Veröffentlichung zu gesund­heitlichen Auswirkungen von Hochfrequenzstrahlung an, dass biologische Effekte deutlich unterhalb der internationalen Grenzwerte auftreten und nicht-thermische Wirkungen unbestritten sind.

Die rapide Zunahme der drahtlosen Informations- und Telekommunikations­technologie in den letzten 20 Jahren verursachte eine Steigerung menschengemachter hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung, wobei die gesundheitlichen Auswirkungen von Foerster et al. (2018) als noch unbekannt eingestuft werden. Vor allem der flächendeckende Einsatz von Mikrowellen­strahlung ist nach Bandara & Carpenter (2018) jedoch bedenklich, da immer mehr wissenschaftliche Studien auf biologische und gesundheitliche Effekte hinweisen. Durch die exponentielle Zunahme der Nutzung von mobilen Endgeräten wie Mobiltelefonen, schnurlosen Telefonen, WLAN oder Bluetooth sowie deren Versorgungs­­­anlagen ist es in den Frequenzbereichen um 1 GHz (Gigahertz) im Vergleich zum natürlichen Hintergrund zu einer Zunahme der Strahlungsdichten um den Faktor 1018 gekommen. Es handelt sich dabei um die am schnellsten zunehmende anthropogene Umweltbelastung seit Mitte des 20. Jahrhunderts, wobei durch die Einführung neuer Technologien wie dem Internet der Dinge und 5G weitere Hochfrequenz­sender hinzukommen. (ibid.) Nach dem Bioinitiative-Report sind Langzeitexpositionen und kumulative Expositionen von massiv erhöhter Strahlung einzigartig in der Geschichte der Menschheit.

Auch sind empfindliche Bevölkerungs­gruppen wie Schwangere, Kleinkinder, Senioren etc. denselben Expositionen ausgesetzt wie die allgemeine Bevölkerung. Es wird daher als notwendig angesehen, Vorsorge­maßnahmen zu ergreifen für einen Schutz der öffentlichen Gesundheit. In der Vergangenheit wurden Expositionsrichtlinien entwickelt auf der Basis von Gewebe­erwärmung und induzierter Ströme in den Körper, heute wird diese Annahme als unzureichend angesehen. Es konnte zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass es auch bei Expositionen unter thermischen Wirkungen und induzierten Strömen zu biologischen Wirkungen und negativen Gesundheitsfolgen kommt. Manche Wirkungen treten bei Intensitäten auf, die hunderttausendfach unter den derzeitigen Sicherheits­regeln liegen. Es werden für den öffentlichen Gesundheitsschutz bereits jetzt neue Grenz­werte für niederfrequente Felder benötigt. Die Mitglieder der BioInitiative Working Group sind der einstimmigen Meinung, dass die bestehenden Grenzwerte für nieder- und hochfrequente Felder unzureichend sind. (BioInitiative Working Group, 2007, S. 9 f, 29-35) Eine weitere Übersichtsarbeit von Pall (2016) zu elektro­magnetischen Feldern zeigt, dass zu den häufig berichteten Auffälligkeiten Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Depressionssymptome, Müdigkeit, Dysästhesie, Konzentrations-/Aufmerksamkeits­störungen, Reizbarkeit, Appetit­losigkeit/Körper­gewichts­verlust, Unruhe/Angst, Übel­keit und Hautbrennen zählen.

Umweltmedizinische Vorsorgewerte für Schlafbereiche

Bewertungskriterien zu elektrischen, magnetischen und elektromagnetischen Feldern können vereinfacht in staatliche und behördliche Grenzwerte sowie Richtwertempfehlungen zur Gesundheitsvorsorge eigeteilt werden (Schauer, 2013, S. 23).

Gesetzliche Grenzwerte orientieren sich an den Referenzwerten der ICNIRP (International Commission for Non-Ionizing Radiation Protection), die auf dem Modell der thermischen Wirkung (Hochfrequenz) und Reizwirkung durch induzierte und influenzierte Körperströme (Niederfrequenz) basieren und Langzeitwirkungen ausschließen (Oberfeld, 2012, S. 54). ICNIRP- Grenzwerte berücksichtigen zudem keine biologischen Effekte, die auf elektrische oder elektro­chemische Funktionen im menschlichen Organismus wie Nervensystem, Gehirn, Hormon- oder Immunsystem zurückzuführen sind. Diese Effekte werden als sogenannte athermische Effekte bezeichnet, sie treten bereits bei wesentlich niedrigeren Feldstärken auf. Solche Effekte werden in Immissions-Vorsorgewerten (Richtwerten), die weit unter den gesetzlichen EMF-Grenzwerten (EMF = Elektromagnetische Felder) liegen, berücksichtigt. (Virnich et al., 2018) Grenzwerte sind rechtlich verbindlich, Richt-, Leit- und Referenzwerte hingegen nicht. (UBA, 2014, S. 1010)

Die EUROPAEM EMF‐Leitlinie 2016 (Europäische Akademie für Umweltmedizin) gibt einen Überblick zum wissenschaftlichen Kenntnisstand über EMF-bedingte Gesundheitsrisiken sowie Empfehlungen zur Diagnose, Behandlung und zur Entwicklung von Präventionsstrategien. Die Richtwerte der Leitlinie gelten für Orte mit empfindlicher Nutzung, mit einer Aufenthaltsdauer über 20 Stunden pro Woche und basieren auf epidemiologischen Studien, empirischen Beobachtungen, praxisbezogenen Messungen sowie Empfehlungen des Seletun Statement und des Europarates. Die vorgeschlagenen Richtwerte basieren auf wissenschaftlichen Daten unter Einbeziehung des vorbeugenden Gesundheitsschutzes und haben das Ziel Gesundheit und Wohlbefinden bei erkrankten Patienten wiederherzustellen. Die Richtwerte gelten an Orten, an welchen sich Personen längere Zeitdauer aufhalten (>4 Stunden pro Tag) und werden in Expositionsrichtwerte für Tagesbereiche, Nachtbereiche und empfindliche Personen unterteilt. Expositionen gegenüber elektromagnetischen Feldern sollten so weit wie möglich minimiert werden oder unterhalb der angegebenen Richtwerte liegen. (Belyaev et al., 2016, S. 1f u. 28f).

Literaturverzeichnis:
BioInitiative Working Group. (2012). Biolnitiative 2012: A Rationale for Biologically-based Exposure Standards for Low-Intensity Electromagnetic Radiation; abgerufen am 19.08.2021: www.bioinitiative.org. 1–1557.
BfS. (2021). ELEKTROMAGNETISCHE FELDER – Vorsorge; Bundesamt für Strahlenschutz, Willy-Brandt-Straße 5, 38226 Salzgitter, https://www.bfs.de; abgerufen am 19.08.2021: https://www.bfs.de/DE/themen/emf/hff/schutz/vorsorge/vorsorge_node.html.
BAFU. (2021). Gesundheitliche Auswirkungen von Hochfrequenz-Strahlung; Bundesamt für Umwelt (BAFU), Papiermühlestrasse 172, CH-3063 Ittigen, www.bafu.admin.ch, abgerufen am 19.08.2021: https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/elektrosmog/fachinformationen/auswirkungen-elektrosmog/gesundheitliche-auswirkungen-von-hochfrequenz-strahlung.html#-1872767350
Foerster, M., Thielens, A., Joseph, W., Eeftens, M., & Röösli, M. (2018). A prospective cohort study of adolescents’ memory performance and individual brain dose of microwave radiation from wireless communication. Environmental Health Perspectives, 126(7). https://doi.org/10.1289/EHP2427
Bandara, P., & Carpenter, D. O. (2018). Planetary electromagnetic pollution: it is time to assess its impact. The Lancet Planetary Health, 2(12), e512–e514. https://doi.org/10.1016/S2542-5196(18)30221-3
BioInitiative Working Group. (2007). DAS ERSTE KAPITEL DES REPORTS DER BIOINITIATIVE: EINE ZUSAMMENFASSUNG FÜR DIE ÖFFENTLICHKEIT; Kompetenzinitiative zum Schutz von Mensch, Umwelt und Demokratie e.V. Dr. Peter Ludwig, Auf der Ochsenweide 10, D-66133 Saarbrücken-Scheidt; abgerufen am 19.08.2. www.broschuerenreihe.net
Pall, M. L. (2016). Microwave frequency electromagnetic fields (EMFs) produce widespread neuropsychiatric effects including depression. Journal of Chemical Neuroanatomy, 75, 43–51. https://doi.org/10.1016/j.jchemneu.2015.08.001
chauer, M. (2013). Feldreduzierung in Gebäuden (Hüthig & Pflaum Verlag GmbH & Co. Fachliteratur KG (ed.)).
Oberfeld, G. (2012). in Baubiologische EMF- Messtechnik (M. H. Virnich). Hüthig & Pflaum Verlag – München/ Heidelberg.
Virnich, M. H., Haumann, T., & Münzenberg, U. (2018). VDB-Richtlinien zur Vorgehensweise bei baubiologischen Untersuchungen in Gebäuden, Band 1 (3. Auflage). Berufsverband Deutscher Baubiologen VDB e. V. Roggenkamp 21, 21266 Jesteburg, www.baubiologie.net.
UBA. (2014). Ermittlung und Beurteilung chemischer Verunreinigungen der Luft von Innenraumarbeitsplätzen (ohne Tätigkeit mit Gefahrstoffen). Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, 57(8), 1002–1018. https://doi.org/10.1007/s00103-014-2004-6
Belyaev et al. (2016a). EUROPAEM EMF‐Leitlinie 2016 zur Prävention, Diagnostik und Therapie EMF‐bedingter Beschwerden und Krankheiten. 53. https://doi.org/10.1515/reveh
Schlafplatzuntersuchung als Lösung für Schlafprobleme!

Aufgrund der langjährigen Tätigkeit konnten bei Schlafplatzuntersuchungen sehr häufig deutliche Verbesserungen bei Schlafproblemen und gesundheitlichen Störungen nach Sanierungen elektromagnetischer Felder beobachtet werden. Mehrfach waren Kunden auch in Schlaflaboren, ohne Verbesserung der Beschwerdebilder, die erst durch die Schlafplatzsanierungen von elektromagnetischen Feldern keine Beschwerden mehr aufwiesen.

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Veröffentlicht am: November 30, 2023|Kategorien: Elektrosmog|Schlagwörter: , , , , , , |11,8 Min. Lesezeit|

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