Petition zur Hochspannungsleitung durch Kärnten

In Kärnten soll eine neue 380 kV Hochspannungsleitung zur Versorgungssicherheit und Schließung der Ringleitung in Österreich gebaut werden. Welche baubiologischen Überlegungen gibt es dazu?

Wissenschaftliche Untersuchungen legen einen Zusammenhang zwischen der Nähe zu Hochspannungsleitungen und erhöhten gesundheitlichen Risiken nahe. So zeigte eine Studie aus Norditalien, dass Kinder, die weniger als 100 Meter von Stromleitungen entfernt wohnen bereits bei einer Exposition von ≥ 100 nT (Nanotesla) ein größeres Leukämierisiko aufweisen. Auch bei Erwachsenen wurde in Frankreich ein signifikanter Anstieg des Risikos für Gehirntumoren (insbesondere Gliome) festgestellt, wenn die Wohndauer in einer Entfernung von unter 50 Metern zu Hochspannungsleitungen lag.

Aus diesem Grund und zum Schutz der Natur ruft derzeit auch eine Petition zur Verhinderung einer neuen 380kV-Leitung durch Kärnten zur Unterstützung auf.

Die von diesen Leitungen ausgehenden elektromagnetischen Felder (allgemein als „Elektrosmog“ bezeichnet) bestehen aus niederfrequenten elektrischen und magnetischen Feldern.

Elektrische Felder werden konstant durch die Spannung (z. B. 380 kV) erzeugt, wobei diese jedoch auch in Wohnräumen durch die Nähe zu Verbrauchern, Geräten, Kabeln etc. z.T. stärker auftreten können. Elektrische Felder von Freileitungen können zum großen Teil von massiver Baumasse abgeleitet werden. Bei Leichtbauweise können sich diese Felder über die gesamte Baumasse ausbreiten und werden nicht oder nur sehr schlecht abgeleitet. Auch Vegetation, vor allem hohe Bäume, können elektrische Felder ableiten und so zu Reduzierungen der Immissionen führen. In Wohnräumen können elektrische Felder von außen relativ einfach abgeschirmt werden, wobei immer auch Emissionen von gebäudeinternen Emissionsquellen zu berücksichtigen sind, da Abschirmungen, wenn falsch ausgeführt, auch zu Verstärkungen der Immissionen führen können.

Magnetische Felder entstehen durch den Stromfluss, deren Stärke sich je nach Stromfluss bzw. Stromverbrauch ständig ändert. Diese Felder durchdringen Materie nahezu ungehindert und können nicht oder nur mit sehr speziellen metallischen Materialien abgeschirmt werden, was bei Gebäuden jedoch nicht möglich ist. Magnetische Felder entstehen auch in Innenräumen durch Trafos, Ladegeräte sowie starken Verbrauchern, wie E-Herden, bei Benützung. Die Ausbreitung ist dabei räumlich sehr begrenzt und diese stellen somit keine permanente Belastung dar. Reduzierungen magnetischer Wechselfelder in Gebäuden, die von außen eindringen, können durch sogenannte Kompensationsanlagen umgesetzt werden. Zielführender ist der Abstand.

Weitere Informationen zur Bewertung von niederfrequenten elektrischen und magnetischen Wechselfeldern sind in folgenden Publikationen ausgewiesen.

https://www.emf-portal.org/de/cms/page/home/effects/low-frequency/cancer-and-childhood-leukemia

https://www.bau-biologie.at/wp-content/uploads/2015/02/Leitfanden-der-OAK-zur-Abklarung-Elektrosmogbezogener-Erkrankungen.pdf

https://www.bau-biologie.at/wp-content/uploads/2015/02/Umweltmedizinische-Beurteilung-elektromagnetischer-Felder.pdf

https://bioinitiative.org/potential-health-effects-emf/

https://www.bau-biologie.at/wp-content/uploads/2015/02/Leitfanden-der-OAK-zur-Abklarung-Elektrosmogbezogener-Erkrankungen.pdf

Bewertungskriterien zu elektrischen, magnetischen und elektromagnetischen Feldern können vereinfacht in staatliche und behördliche Grenzwerte sowie Richtwertempfehlungen zur Gesundheitsvorsorge eigeteilt werden (Schauer, 2013, S. 23). Gesetzliche Grenzwerte orientieren sich an den Referenzwerten der ICNIRP (International Commission for Non-Ionizing Radiation Protection), die auf dem Modell der thermischen Wirkung (Hochfrequenz) und Reizwirkung durch induzierte und influenzierte Körperströme (Niederfrequenz) basieren und Langzeitwirkungen ausschließen (Oberfeld, 2012, S. 54). ICNIRP- Grenzwerte berücksichtigen zudem keine biologischen Effekte, die auf elektrische oder elektro­chemische Funktionen im menschlichen Organismus wie Nervensystem, Gehirn, Hormon- oder Immunsystem zurückzuführen sind. Diese Effekte werden als sogenannte athermische Effekte bezeichnet, sie treten bereits bei wesentlich niedrigeren Feldstärken auf. Solche Effekte werden in Immissions-Vorsorgewerten (Richtwerten), die weit unter den gesetzlichen EMF-Grenzwerten (EMF = Elektromagnetische Felder) liegen, berücksichtigt. (Virnich et al., 2018) Grenzwerte sind rechtlich verbindlich, Richt-, Leit- und Referenzwerte hingegen nicht. (UBA, 2014, S. 1010)

Auch in Salzburg kam es in Rahmen des Ausbaus einer 380 kV Leitungen zu Diskussionen der Bevölkerung mit der Politik und Industrie, wobei alle Hinweise der Bevölkerung schließlich ignoriert wurden.

Schauer, M. (2013). Feldreduzierung in Gebäuden (Hüthig & Pflaum Verlag GmbH & Co. Fachliteratur KG (ed.).
Oberfeld, G. (2012). in Baubiologische EMF-Messtechnik (M. H. Virnich). Hüthig & Pflaum Verlag – München/Heidelberg.
Virnich, M. H., Haumann, T., & Münzenberg, U. (2018). VDB-Richtlinien zur Vorgehensweise bei baubiologischen Untersuchungen in Gebäuden, Band 1 (3. Auflage). Berufsverband Deutscher Baubiologen VDB e. V. Roggenkamp 21, 21266 Jesteburg, www.baubiologie.net.
UBA. (2014). Ermittlung und Beurteilung chemischer Verunreinigungen der Luft von Innenraumarbeitsplätzen (ohne Tätigkeit mit Gefahrstoffen). Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, 57(8), 1002–1018.
Lassen Sie die Belastung durch elektromagnetische Felder in Ihren Wohnräumen untersuchen!

Sie möchten die Immissionen durch elektromagnetische Felder in Ihren Wohnräumen überprüfen lassen oder bei Neubauten oder Renovierungen vermeiden? Fragen Sie jetzt für eine gesunde und elektrosmogfreie Wohnumwelt bei uns an!

Veröffentlicht am: Oktober 18, 2025|Kategorien: Elektrosmog|Schlagwörter: , , , , |4,9 Min. Lesezeit|

Teilen Sie diese auf sozialen Netzwerken!

Produktneutrale, wissenschaftlich fundierte baubiologische Messtechnik und Beratung in ganz Österreich, seit 20 Jahren!
Wir freuen uns auf Ihre Anfrage.

info(@)bau-biologie.at

Newsletter

Neuigkeiten zum gesunden Bauen, Wohnen und Leben, einfach und praxisnah erklärt. Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung zum Newsletter!


Kategorien